Casa Krefeld


"Casa Krefeld" heißt das Pilotprojekt in der Innenstadt, an dem auch die VHS mitwirkt.

Seit Januar 2020 kommen 15 Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren von montags bis freitags in der Großtagespflege auf der Breite Straße zusammen. Träger ist der Sozialdienst katholischer Frauen (SKF), der hier drei Mitarbeitende, finanziert vom Landschaftsverband Rheinland, beschäftigt. Das Besondere: Ein Teil der Mütter, deren Kinder hier betreut werden, durchläuft eine Qualifizierungsmaßnahme zur Betreuungskraft bei der Volkshochschule (VHS) mit dem Ziel im Pflegebereich in Seniorenheimen, in der Kinderbetreuung oder in Krankenhäusern tätig zu werden. Ihre Kinder werden währenddessen in der Tageseinrichtung betreut.

Und noch etwas macht das Projekt besonders: Es fußt auf großem privaten Engagement. Bettina und Jörg Weitzel stellen kostenlos, das heißt ohne Miet- und Nebenkosten, ihre Immobilie, in der früher eine Druckerei beheimatet war, zur Verfügung. Eine große anonyme Spende kam hinzu, und der Rotary-Club Krefeld sorgte mit 5.000 Euro für die Finanzierung der Inneneinrichtung und einer reichhaltigen Ausstattung mit Lernhilfen, Gemeinschaftsspielen und Spielgeräten. „Wir können den privaten Spendern nicht genug danken, das ist eine tolle, vorbildliche Förderung. Und wir sind froh, mit dem SKF einen guten Partner gefunden zu haben. Der Bedarf an solchen Einrichtungen ist groß, und dieses Projekt hilft Familien bei der Vereinbarung zwischen Beruf und Familie. Zusätzlich stärken wir dadurch die Frauenerwerbstätigkeit, die in Krefeld leider unter dem Bundesdurchschnitt liegt“, sagt Stadtdirektor Markus Schön, der sich auch darüber freut, dass eines der leerstehenden Ladenlokale in der Innenstadt wieder mit Leben gefüllt werden konnte. In der Tageseinrichtung herrscht ein bunter Nationenmix, hier sollen Sprachbarrieren abgebaut werden, um die Mädchen und Jungen gut auf die Kita oder Grundschule vorzubereiten. „Geplant ist, dass es für jedes Kind nach rund einem Jahr in einer Kita oder einer Grundschule weiter geht“, schildert Heike Badberg vom Fachbereich Jugendhilfe. Die Leiterin der Abteilung Kinder ist noch immer davon begeistert, dass hier so viele Räder ineinandergreifen: „SKF, VHS, die privaten Spender, Rotary, das Jobcenter, das Land und der Landschaftsverband und wir als Stadt – das ist schon klasse.“ Auch bei der VHS ist man zufrieden – auch deshalb, weil viele der ausgebildeten Frauen bereits auf dem Arbeitsmarkt eine Stelle finden konnten. „Nach bestandener Prüfung des ersten Kurses im Mai diesen Jahres sind bereits 80 Prozent der Absolventinnen in feste Arbeitsverhältnisse übernommen worden. Die zweite Qualifizierungsmaßnahme läuft bis Ende Oktober. Von acht Teilnehmerinnen haben vor dem Abschluss bereits drei eine feste Stellenzusage“, berichtet Dr. Inge Röhnelt. Die Leiterin der VHS suchte Ende 2019 eine Kinderbetreuungsmöglichkeit für die Teilnehmerinnen, um ihnen eine Qualifizierung während der Ausbildungszeit zu ermöglichen und fand in Bettina und Jörg Weitzel begeisterte Mitstreiter. Jörg Weitzel wiederum trommelte bei den Rotariern und fand auch hier Gehör. „Wir wollen mit diesem Projekt beweisen, dass solche Projekte zu bewerkstelligen sind und möchten durchaus auch andere Immobilienbesitzer animieren, ähnliches zu tun“, sagt er und wird von Tania Cosmann ergänzt: „Jörg Weitzel hat das Thema in den Rotary-Club getragen und wir waren uns schnell einig, dass wir hier unterstützen möchten. Mit der Erstausstattung der Einrichtung haben wir hier sicherlich den kleinsten Beitrag geleistet. Gemeinsam wurde jedoch viel erreicht.“ Der Erfolg des Pilotprojektes hat die Stadt Krefeld, die als Initiator die Federführung übernommen hatte, dazu veranlasst, dieses Projekt, welches ursprünglich für einen Zeitraum von einem Jahr geplant war, als ein Musterprojekt weiter zu betreiben und gegebenenfalls auf andere Quartiere in der Stadtmitte auszuweiten. Interessierte, die ihre Immobilie ebenfalls für ein ähnliches Projekt zur Verfügung stellen möchten, können sich an Heike Badberg wenden per E-Mail an heike.badberg@krefeld.de.

Bilder: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken


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